Ratgeber Allgemein
Abschied nehmen…
Die Beziehung zu einem Haustier, sei es Hund, Katze, Kaninchen oder Meerschweinchen, ist etwas ganz Besonderes. Sie haben sich für eine solche Beziehung entschieden und einen Vierbeiner zu Ihrem Freund, Begleiter und Familienmitglied gewählt. Sie haben die Verantwortung übernommen für Gesundheit und Wohlergehen, und das oft über viele Jahre.
Was aber, wenn Ihr Tier so schwer erkrankt oder verletzt ist, dass keine medizinische Hilfe mehr möglich ist? In einem solchen Fall können Sie Ihrem vierbeinigen Freund einen letzten liebevollen Dienst erweisen: Sie können Ihren Tierarzt bitten, ihn von seinen Leiden zu erlösen und seinen Tod einzuleiten. Dies ist die sogenannte Einschläferung (Euthanasie). Sie bedeutet die Injektion einer Überdosis Narkosemittels. So wird Ihr Haustier in einen ruhigen und tiefen Schlaf versetzt. Der Tod kommt schnell und schmerzlos.

Eine schwere Entscheidung
Die wohl schwerste Aufgabe für einen Tierbesitzer ist über das Lebensschicksal seines Tieres zu entscheiden. Niemand kann Sie Ihnen abnehmen, aber wir, als Ihre Tierarztpraxis, Ihre Familie, Ihre Freunde können Ihnen bei diesem Entscheidungsprozess zur Seite stehen.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Dies ist eine sehr häufig gestellte Frage: Wie erkenne ich den richtigen Zeitpunkt? Wir respektieren und verstehen Ihre Gefühle zu Ihrem vierbeinigen Freund. Wir untersuchen Ihr Tier und klären Sie über medizinische Möglichkeiten, Heilungschancen und Konsequenzen auf. Vielleicht müssen wir Ihnen die Euthanasie nahe legen, aber die letzte Entscheidung müssen Sie selber treffen.
Vertrauen Sie auf Ihr Gefühl. Sie kennen Ihr Tier und wissen ob es noch Lebensfreude hat. Nimmt es noch am alltäglichen Familienleben teil? Nimmt es noch Futter auf? Kann es sich sauber halten? Reagiert Ihr Tier noch in gewohnter Weise auf Sie und Ihre Familie? Die Beantwortung dieser Fragen, die Einschätzung aus tierärztlicher Sicht, all dies kann bei der Entscheidung helfen.
Einbeziehung der Familie
Es ist gut und wichtig die Familie, auch die Kinder, in den Entscheidungsprozess mit einzubeziehen. Kinder haben ein besonders inniges Verhältnis zu ihrem Haustier. Dies verführt oft dazu, sie vor einer Gefühlsbelastung schützen zu wollen. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Kinder, die von einer solchen Entscheidung überrascht werden, nach dem Tod oder dem “Verschwinden” des Tieres deutliche Probleme bei der Verarbeitung der Trauerphase haben. Kinder brauchen aufrichtige, ehrliche und einfache Antworten.
So haben sie Gelegenheit mit dem Tod umzugehen und den Verlust zu verarbeiten. Kinder können den Tod eines Tieres erstaunlich natürlich zu akzeptieren, sofern sie nicht daran gehindert werden. Ihre kindliche Phantasie ermöglichte es ihnen, sich ein Leben ihres Tieres nach dem Tod vorstellen zu können. Interessanterweise beziehen sie den Verlust eines Tieres oft weniger auf sich selbst als Erwachsene. Sie sind vor allem dann beruhigt, wenn sie wissen, dass ihr geliebtes Tier von seinen Leiden erlöst ist.
Der Abschied
Sich zu verabschieden ist ein erster und wichtiger Schritt in der Bewältigung der Gefühle von Trauer und Verlust. Ihr Tier ist ein wichtiger Teil Ihres Lebens und es ist ganz natürlich, dass Sie das Gefühl haben, einen guten Freund zu verlieren.
Wenn Sie sich für die Euthanasie entschieden haben, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Häufig möchte der Tierbesitzer seinem Tier den letzten Weg in die Praxis ersparen. In diesem Fall bieten wir einen Hausbesuch an, so dass Ihr Tier in seiner gewohnten Umgebung friedlich einschlafen kann.
Im Anschluss können Sie Ihr Tier auf eigenem Grund begraben (nicht im Wasserschutzgebiet, beachten Sie die Regeln Ihrer Gemeinde/Stadt) oder zu einem Tierkrematorium bringen. Häufig bieten diese auch an, das verstorbene Tier zu Hause abzuholen.
Andere möchten lieber in die Praxis kommen. Hier bemühen wir uns um einen ruhigen Termin, möglichst abseits der Praxishektik. Auch hier bieten wir Ihnen die Möglichkeit, sich in Ruhe zu verabschieden.
Im Anschluss können Sie Ihr verstorbenes Tier mit nach Hause nehmen, in ein Krematorium bringen oder es von einem Krematorium in der Praxis abholen lassen.
Die Trauer
Wenn Ihr Tier nicht mehr lebt, ist es ganz natürlich, dass Sie Schmerz und Trauer empfinden. Um diese Gefühle bewältigen zu können, ist es wichtig, den Prozess des Trauerns zu verstehen. Trauer hat viele Gesichter, die nicht bei allen Menschen gleich ausgeprägt sind.
Die erste Reaktion könnte sein, dass Sie nicht wahrhaben wollen, wie krank, verletzt oder alt Ihr Tier war. Diesem Zweifel folgt die Schuldzuweisung. Sie werden sich, dem Tierarzt oder anderen vielleicht vorwerfen, die Erkrankung nicht früher erkannt oder die Verletzung des Tieres verschuldet zu haben.
Auf dieses Gefühl folgt das Stadium der Trauer und Depression. In dieser Phase werden Sie den Verlust als besonders schwer empfinden. Erst wenn Sie und Ihre Familie sich mit diesen Gefühlen abfinden können, werden Sie sich allmählich loslösen und den Tod Ihres Gefährten akzeptieren können.
Trauer ist ein sehr persönlicher Prozess. Die Symptome des Trauerns um ein Haustier sind jedoch dieselben, die man beim Verlust eines geliebten Menschen durchlebt. Einige Menschen brauchen länger als andere, um sich mit den emotionalen Stadien der Verlustbewältigung auseinanderzusetzen. Sie sollten sich selbst und Ihrer Familie immer wieder vor Augen führen, dass diese Gefühle normale natürliche Antworten auf den Tod sind.
Verständnis der Anderen
Häufig bekommt man hauptsächlich von denjenigen Verständnis für seine Trauer, die Ähnliches erlebt und durchgemacht haben. Leider erkennen Freunde und Angehörige nicht immer, wie wichtig Ihr Tier für Sie war und wie sehr Sie um Ihren Freund trauern. Seien Sie über Ihre Gefühle aufrichtig zu sich selbst und den anderen. Sprechen Sie mit einem guten Zuhörer über Ihr Tier, seine Krankheit und seinen Tod. Rufen Sie sich schöne Zeiten in Erinnerung, und seien Sie versichert, dass Ihr Tier jede Minute Ihrer Trauer verdient hat!
