klaus-von-gierke_webdogBYjotto_crosshatWie wird der Hund art- und bedarfsgerecht ernährt?

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Top-Thema in unserer Praxis: Ernährung

Wie wird der Hund art- und bedarfsgerecht ernährt?

dog holding bowl in mouth. isolated on white backgroundSehr häufig werden wir in unserer Praxis auf die Ernährung des Hundes
angesprochen. Welches Futter, welche Futtermenge, welche Art der Fütterung ist
für den Hund gut und richtig?

Diese Fragen lassen sich nicht allgemein und einfach beantworten. Es kommt natürlich
immer auf den Hund an: welches Alter hat der Hund, gibt es Grunderkrankungen,
Allergien, Futtermittelunverträglichkeiten? Ist der Hund eher ein Sportler oder ein
gemütlicher Vertreter? Und dann geht es auch darum, wozu der Besitzer bereit und in der Lage ist: Wie ist der finanzielle Rahmen? Wieviel Zeit gibt es zum eventuellen Selberkochen bzw. Barfen? Was passt in den Familienalltag bzw. Tagesablauf?Welche Art der Fütterung gefällt einem besser?

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Für uns hat es natürlich Priorität, dass der Hund mit seinem Futter bedarfsgerecht
ernährt ist und er sein Futter gut verträgt. Ob dies mit Fertigfutter oder
Selbstgekochtem oder mit Barfen erreicht wird, ist für uns nicht so wichtig.
Hauptsache: dem Hund geht es gut!
Der Futtermittelmarkt ist riesig und für den Laien inzwischen oft undurchschaubar
geworden. Es wird um Marktanteile gekämpft, Millionen werden jedes Jahr für die
Ernährung unserer Haustiere ausgegeben. Somit werden Trockenfutter, Dosenfutter,
Rohfleisch und Futtermittelzusätze angepriesen, und natürlich soll alles „das Beste
und einzig Wahre“ für den vierbeinigen Freund sein!
klaus-von-gierke_pfoteBYjotto_webdesign2013Futterverkäufer, Tierarzt, Hundetrainer, Züchter, andere Hundebesitzer… alle
haben eine eigene Meinung zur Art der Ernährung. Leider gibt es inzwischen
regelrechte „Glaubenskriege“ mit missionarischen Zügen, nur die eigene
Fütterungsart ist die Richtige, alles andere wird verteufelt und schlecht gemacht.klaus-von-gierke_pfoteBYjotto_webdesign2013
Wir sind der Meinung, dass jede Art der Fütterung ihre Daseins-Berechtigung hat!
Die Rohfütterung liegt im Trend, da immer mehr Tierbesitzer von „natürlicher
Nahrung“ überzeugt sind. Wenn man beim Barfen auf die richtige Zusammensetzung
achtet, kann man seinen Hund damit gut ernähren. Die meisten Fertigfutter sind
heutzutage so hochwertig und ausgewogen, dass man auch hiermit seinen Hund gut
ernähren kann.
Nachfolgend möchten wir Ihnen ein paar Informationen und Tips geben, damit Sie
sich im „Dschungel der Ernährung“ ein wenig besser zurecht finden.
BARF
Bones And Raw Food (Knochen- und Rohfütterung), häufig falsch „übersetzt“:
„Biologisch artgerechtes rohes Futter“

klaus-von-gierke_pfoteBYjotto_webdesign2013Das Futter basiert auf:
– Innereien (Hühnermägen, Leber, Pansen, Herz, Gurgel und Schlund)
– Fleisch und Knochen (wie Hühner- und Putenhälse, Hühnerrücken, Brustbein von
Rind, Huhn, Pute, Schaf, Pferd, Ente sowie Wild), nie rohes Schweinefleisch
(Gefahr der Übertragung der Aujeszkyschen Krankheit)
– ergänzt mit Gemüse, Obst und Zusätzen

Die Umstellung auf Rohfütterung sollte schrittweise geschehen, um
Verdauungsbeschwerden wie Durchfall oder auch Verstopfungen zu verhindern. Man
beginnt mit gegartem Futter und reduziert dann die Garzeit schrittweise, bis eine
reine Rohfütterung vorliegt. Dabei können alle Fleischteile des Tierkörpers und auch
Fisch verwandt werden. Neben reinem Muskelfleisch sollten auch Fett und Innereien
enthalten sein. Bitte nicht zuviel Leber verfüttern! Ausreichend ist ca. 1g Rinderleber
pro Kilogramm Körpergewicht des Hundes pro Tag.

Getreide sollte man erhitzen, da ansonsten die Kohlenhydrate nicht ausreichend
aufgeschlossen werden. Die Folge wäre Durchfall.
Gemüse kann roh, aber auch püriert oder blanchiert sein. Zerkleinerung erhöht die
Verdaulichkeit von wasserlöslichen Vitaminen und Pektin. Um fettlösliche Vitamine
aufnehmen zu können, muss gleichzeitig Öl gegeben werden.
Folgende Vorteile hat das BARFEN:
– Zutaten werden in der Regel selber eingekauft und zubereitet, so weiss der
Besitzer was er seinem Hund zu fressen gibt und kann die Fütterung individuell
einstellen
– das Kaubedürfnis wird stärker befriedigt
– große Futterstücke und Knochen können zur Zahnpflege beitragen, da der
Kauaufwand erheblich größer ist, als bei Fertigfutter
– bekannte Unverträglichkeiten können durch Rohfutter vermieden werden,
indem man die Zutat wegläss

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Vorsicht bei der pauschalen Aussage, dass BARFEN die „einzige artgerechte
Ernährung“ für den Hund ist. Hier orientiert man sich häufig an den
Fressgewohnheiten der Wölfe. Doch wieviel Wolf steckt denn eigentlich noch in
unseren Hunden? Hier muss beachtet werden, dass ein Wolf, der im Rudel lebt, in der
Regel nicht den Luxus hat, sich ausgewogen zu ernähren. Auch wird kein Wolf in der
freien Wildbahn so alt wie unsere Hunde, die mit uns zusammen leben. Der Hund
unterlag im Laufe der Evolution vielen Veränderungen, so wurden auf 36 Genen
genetische Veränderungen festgestellt, die u.a. auch die Verdauung bzw.
Nahrungsverwertung betreffen.

Folgende Nachteile kann das BARFEN haben:
– bei Hygienemängeln können Krankheitserreger (z.B. Salmonellen) übertragen
werden
(z.B. Infektionsrisiko beim Menschen (!!) bei aufgetautem Geflügelfleisch)
– durch rohes Rindfleisch können Bandwurmfinnen übertragen werden, das
Fleisch sollte vor der Fütterung mindestens eine Woche bei -17° bis -20° C
eingefroren werden!
– Knochenfütterung birgt Verletzungsrisiken z.B. an Zähnen oder im Magen-
Darm-Trakt, bei Fütterung von gekochten Knochen: Gefahr der massiven
Verstopfung → Zementkot
– Verfütterung von Schlund kann zu einer Verschiebung der Schilddrüsenwerte
führen
– es besteht die Gefahr von einer Mangelversorgung und/oder Überversorgung,
wenn die Futterration nicht richtig berechnet ist. Sehr häufig ist hier sowohl
ein Calciummangel als auch eine drastische Überversorgung an Calcium zu
beobachten. Zusätzlich fehlen vor allem die Spurenelemente Kupfer, Zink und
Jod.

Durch eine Blutuntersuchung lassen sich Fütterungsfehler nur schlecht
überprüfen. Auch wenn ein Hund kaum Calcium gefüttert bekommt, wird er zum
Beispiel trotzdem einen passenden Blut-Calciumspiegel haben, da in einer
Mangelsituation Calcium aus dem Knochen frei gesetzt wird. Die einzig sinnvolle
Kontrolle ist eine computergestützte Rationsüberprüfung. Zum Beispiel kann
man am Lehrstuhl für Tierernährung in München (089-218078705 von Montag
bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr) oder bei der Ernährungsberatungspraxis
Futtermedicus (08141-347844) die Rationsüberprüfung und -anpassung in
Auftrag geben. Natürlich werden auch hier das Alter und die Lebensumstände
des Hundes berücksichtigt. Die Kosten der Berechnung liegen zwischen 50 und
100 € je nach Fall.

Fütterung von Fertigfutter
Manche Tierhalter fühlen sich unbehaglich bei dem Gedanken, ihr Tier lebenslang mit
Fertigfutter zu ernähren. Tatsächlich aber bleiben unsere Haustiere länger gesund
und haben eine deutlich höhere Lebenserwartung seitdem Fertigfutter den
überwiegenden Anteil des Energiebedarfs unserer Hunde (und Katzen) deckt.
Immer wieder hört man, dass Fertigfutter Krankheiten bzw. Allergien auslösen soll.
Auch hier sollte man beachten, dass durch die gestiegene Lebenserwartung nur
„gefühlt“ die Anzahl der Allergien und Krebserkrankungen zugenommen hat.
Grundsätzlich kann jedes Futter eine Allergie oder Unverträglichkeit auslösen,
verursacht meistens durch eine bestimmte Eiweißquelle. Hier spielt es keine Rolle, ob
z.B. Huhn als Zutat im Fertigfutter, in einer selbstgekochten Mahlzeit oder in einer
Rohfutter-Ration vorkommt.

Die Heimtiernahrungsindustrie verarbeitet die Teile von lebensmitteltauglichen
Schlachttieren, die für den menschlichen Verzehr nicht gewünscht oder vorgesehen
sind (z.B. Lunge, Pansen, Euter) oder in der Menge, in der sie anfallen, nicht in
Lebensmitteln verarbeitet werden können (z.B. Leber und Niere). Dies gilt auch für
das Fleisch in der Rohfütterung. Tiere dürfen nicht extra für die Ernährung von Hund
& Katze geschlachtet werden, darum gibt es auch keine „Mäuse in Dosen“ für Katzen…
Die im Tierfutter verarbeiteten Rohstoffe entsprechen qualitativ dem
Lebensmittelstandard und sind hygienisch einwandfreie Zutaten, die als
Einzelfuttermittel zugelassen sind.
Die Unterschiede (auch im Preis) bei den verschiedenen Fertigfuttermitteln liegen in
der Qualität der Rohstoffe, der Zutaten und Zusatzstoffe. In welchem Land wird das
Futter hergestellt, welche Ideologien vertreten die Hersteller der Rohstoffe,
werden gentechnisch manipulierte Zutaten verwendet, all dies entscheidet über den
Preis und die Qualität eines Futters.
Nachteile beim Fertigfutter können die evtl. unzureichende Deklarierung von
Inhaltsstoffen wie Geschmacksverstärkern, Farbstoffen, Gewürzen sein.
Beispielsweise sieht die Soße im Dosenfutter häufig nur so „lecker“ aus, weil hier mit
Zucker nachgeholfen wurde. Natürlich gibt es hier auch negative Folgen für die
Zahngesundheit. Es wird für das menschliche Auge produziert: die „Fleischstücke“ in
der Dose sind im Prinzip nichts anderes als mit Wasser und Zusätzen aufbereitetes
Trockenfutter…
Beim Trockenfutter ist je nach Größe der Krokette der zahnpflegende Effekt nicht
gegeben. Allerdings gibt es auch Futtermittel, die durch die Struktur und Größe der
Krokette einen sehr guten Effekt auf die Entfernung des Zahnbelages haben.
Nur Futtermittel, mit denen unsere Praxis lange und gute Erfahrungen gemacht hat,
und von deren hochwertiger Qualität wir überzeugt sind, werden von uns empfohlen.
Interessierte Tierbesitzer können Futterproben, Rationsberechnungen und
Informationen passend zu ihrem Tier von uns bekommen. Vor allem übergewichtige
Tiere benötigen eine engmaschige und professionelle Betreuung. Hier stehen uns neue
Methoden zur Verfügung um beispielsweise mit Hilfe von morphometrischen
Messungen den Körperfettindex eines Patienten zu bestimmen. Anhand dieser Daten
kann eine individuelle Ernährungsberatung stattfinden.
In unserer Praxis verstehen wir uns als fachmännische Berater in
Ernährungsfragen. Wir möchten keine Stellung beziehen, welche Art der
Fütterung „die beste“ ist. Wir können beratend zur Seite stehen und Ihnen
helfen, die richtige Fütterung für Ihr Tier heraus zu finden, passend zu Patient und Besitzer!
Quellen/Texte:
Dr. Claudia Rade Tierärztin/Tierernährung
Dr. Natalie Zorn Tierärztin/ Zusatzbezeichnung Ernährungsberatung

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